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Liquiditätsanforderungen 2021

Die BaFin verschärft die Anforderungen an die LCR durch Berücksichtigung zusätzlicher Liquiditätsabflüsse.

Die aufsichtliche Auseinandersetzung mit dem Liquiditätsrisiko sieht mit der LCR und der NSFR zwei zentrale Kennzahlen vor, mit denen sowohl die kurzfristige Zahlungsfähigkeit als auch die langfristige, strukturelle Liquidität unter Stressbedingungen sichergestellt werden sollen.

Während die NSFR seit dem 28. Juni 2021 mit der aufsichtlichen Forderung an eine verbindliche Mindestquote sowie aktualisierten Vorgaben zur Berechnungslogik und Überwachung belegt ist, erfährt mit der jüngsten Verlautbarung der BaFin erneut auch die LCR eine Aktualisierung durch Verschärfung der Berechnungslogik zum 01.09.2021.

Berücksichtigung weiterer Produkte und Dienstleistungen bei der Ermittlung der Liquiditätsabflüsse durch Konkretisierung der Gewichtungsfaktoren

Im Fokus der Anpassungen bei der LCR stehen die Berücksichtigung zusätzlicher Liquiditätsabflüsse im Zusammenhang mit anderen Produkten und Dienstleistungen gemäß Artikel 23 der Delegierten Verordnung „DV2015/61“ (LCR-VO). Hierbei handelt es sich überwiegend um Positionen, bei denen der Eintritt oder Zeitpunkt des Liquiditätsabflusses unsicher sind, einschließlich solcher, bei denen eine vertragliche oder sonstige Zahlungsverpflichtung des Instituts nicht vorliegt bzw. vom Institut jederzeit widerrufen werden kann.
In der Praxis sind diesbezüglich insbesondere Belastungsfaktoren auf die LCR zu erwarten, die aus der großzügigen Bereitstellung von nicht in Anspruch genommenen Kreditlinien oder Verfügungsrahmen bei Kreditkarten entstehen. Institute sollten ihre Gebührenmodelle der betroffenen Produkte entsprechend auf den Prüfstand stellen.

Mit dem aktuellen BaFin-Rundschreiben 12/2021 werden nun diese Produkte und Dienstleistungen sowie die anzuwendenden Gewichtungsfaktoren zur Ermittlung des potentiellen Umfangs eines (aufsichtlichen) Liquiditätsabflusses präzisiert und im Rahmen der LCR-Berechnung vorgegeben.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die relevanten Kategorien und deren anzuwendenden Abflussraten bzw. Gewichtungsfaktoren zur Ermittlung des Liquiditätsabflusses:

Konkretisierte Abflussraten anderer Produkte und Dienstleistungen gemäß Artikel 23 DV (EU) 2015/61

Die Meldung der Liquiditätsabflüsse erfolgt gemeinsam mit den bereits zuvor berücksichtigten Liquiditätsabflüssen über den Meldebogen C 73.00. Alle relevanten Produkte und Dienstleistungen werden unabhängig von einer Wesentlichkeitsdefinition unter Angabe des Betrags , der anwendbaren Gewichtung sowie des resultierenden Abflusses im Meldebogen aufgeführt und im monatlichen Turnus an die Aufsicht übermittelt.

Definition einer Wesentlichkeitsschwelle als Trigger für die Notwendigkeit einer zusätzlichen Meldung im jährlichen Turnus

Darüber hinaus konkretisiert die BaFin für die Liquiditätsabflüsse im Zusammenhang mit anderen Produkten und Dienstleistungen gemäß Artikel 23 der Delegierten Verordnung „DV2015/61“ (LCR-VO) eine Wesentlichkeitsschwelle, bei deren Überschreitung eine jährliche Meldung der als wesentlich identifizierten Liquiditätsabflüsse aus diesen Kategorien durchzuführen ist.


Die Wesentlichkeitsschwelle ist gegeben, sofern der Höchstbetrag einer Kategorie an Produkten oder Dienstleistungen
mehr als sechs Millionen Euro beträgt und
mehr als 0,5% in Relation zur Differenz zwischen der Summe der ungewichteten Liquiditätsabflüsse des Instituts (Position C 73.00, Zeile 010, Spalte 010) und der Gesamtheit der ungewichteten Liquiditätsabflüssen im Zusammenhang mit anderen Produkten und Dienstleistungen (Position C 73.00, Zeile 720, Spalte 010) ausmacht.

Formel zur Berechnung der Wesentlichkeitsschwelle

Die Meldung erfordert Angaben und Beschreibungen zu den als wesentlich identifizierten Produkten und Dienstleistungen sowie die dazugehörigen Abflussraten, die das Institut intern in dem steuerungsrelevanten MaRisk-Stressszenario mit den ungünstigsten Auswirkungen verwendet.
Im Rahmen der jährlichen Meldung sind ebenfalls Produkte und Dienstleistungen aufzuführen, die zum aktuellen Datenstichtag zwar noch nicht die Wesentlichkeitsschwelle erfüllen, aber im Hinblick auf das zukünftige Geschäfts- und Risikoprofil von dem betreffenden Institut als wesentlich eingestuft werden. Die jährliche Meldung erfolgt per separatem Meldebogen auf der Datenbasis zum Stichtag 30.09. bis zum 31.10. des jeweiligen Jahres an die zuständige Aufsichtsbehörde.
Durch die zusätzlichen Informationen wird die Aufsicht in die Lage versetzt, die monatlichen Meldung zur LCR besser zu verstehen und zu einer detaillierteren Einschätzung der einzelnen Produktkategorien zu gelangen.

Fazit

Auf Basis der bereits in den letzten Jahren implementierten Prozesse und Datenstrukturen zur LCR-Ermittlung und Übermittlung im Rahmen der CoRep-Meldung wird der Aufwand zur Umsetzung der Konkretisierungen aus dem aktuellen BaFin-Rundschreiben eine überschaubare Herausforderung für den Großteil der betroffenen Banken darstellen.
Vielmehr sehen wir eine Herausforderung darin, die zusätzlich zu berücksichtigenden Liquiditätsabflüsse im eigenen Geschäftsportfolio zu identifizieren und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die LCR-Kennzahl zu antizipieren, um im Sinne einer vorausschauenden Banksteuerung schnellstmöglich auf die zu erwartende Entwicklung der Kennzahl zu reagieren.


Sollten Sie weitergehende Fragen zum Thema LCR-Steuerung haben, sprechen Sie mich gerne an. Gemeinsam mit weiteren Experten der ifb group unterstützen wir Sie gerne bei Ihren individuellen Herausforderungen.

Treasury & Portfoliomanagement (Ext.)

Christian Willerberg berät seit über 10 Jahren Kreditinstitute und Verbände der Kreditwirtschaft in den Themenfeldern Risikomanagement, Aufsichtsrecht und strategischer Planung sowie in angrenzenden Themenfeldern. In seiner Tätigkeit als Director ist Christian Willerberg in leitender sowie operativer Funktion verantwortlich für die Akquise, Planung und Durchführung umfangreicher Projekte zur Weiterentwicklung der Gesamtbanksteuerung und zur Erfüllung aufsichtlicher Anforderungen an der Schnittstelle zwischen Banksteuerung, Risikocontrolling und IT.