Leistungsportfolio Rechnungswesen / IFRS 9

Im Anschluss an die Finanz- und Kapitalmarktkrise wurden die Standardsetter des International Financial Standard Board (IASB) und Financial Accounting Standard Borard (FASB) aufgefordert, etliche Finanzinstrumente betreffende Standards zu überarbeiten, um die Komplexität zu reduzieren und eine bessere Vergleichbarkeit zwischen IFRS und US-GAAP herzustellen.

 

Das größte Projekt in diesem Kontext verkörpert IFRS 9 „Financial Instruments“, womit der bisherige Standard IAS 39 sukzessive über drei Phasen abgelöst werden soll:

 

  • Phase 1: Klassifizierung & Bewertung von Finanzinstrumenten
  • Phase 2: Impairment
  • Phase 3: Hedge Accounting

 

Während Phase 1 bereits finalisiert wurde, existieren zu den beiden anderen Phasen ausschließlich Entwürfe. Mit einer Finalisierung der Phasen 2 und 3 ist im Laufe des zweiten Halbjahres 2011 zu rechnen. Es ist jedoch zu erwähnen, dass der Standard zu Phase 1 noch nicht in europäisches Recht übernommen wurde. Seitens der EU wird ein gemeinsames Endorsement aller Änderungen angestrebt.

 

Auswirkungen:

 

Durch Phase 1 „Klassifizierung und Bewertung“ wird sich der bisherige Kategorisierungsprozess grundlegend ändern. Die Einstufung erfolgt nun auf Basis des Geschäftsmodells und der vertraglichen Zahlungsströme, wobei der IFRS 9 nur noch zwei der bisherigen vier Kategorien vorsieht: „at Amortised Cost“ und „at Fair Value“. Durch die neuen Kategorien kommt es zu einer teilweisen Neukategorisierung der Bestände in den Unternehmen. Folgend können sich die bilanziellen Ansätze sowie Buchungslogiken ändern. Ferner ergeben sich neue Anforderungen an die Prozesse zur Katgeorisierung von Finanzinstrumenten.

 

Ebenso zeichnet sich in Phase 2 „Impairment“ ein Paradigmenwechsel ab. Die derzeit diskutierten Impairment-Regelungen sehen einen „Expected Loss“ Ansatz vor, welcher den bisherigen „Incurred Loss“ Ansatz ablösen soll. Die diskutierten Ansätze sehen eine Differenzierung zwischen einem Good Book und einem Bad Book vor. Während im Good Book die Profitabilität aus den vereinnahmten bzw. erwarteten Zahlungsströmen im Vordergrund steht, ist der Fokus des Bad Books auf die Einbringlichkeit eines finanziellen Vermögenswertes ausgerichtet. Es ist vorgesehen, dass alle Finanzinstrumente, die at Amortised Cost klassifiziert sind – bereits im Good Book – bei der Berechnung einer Risikovorsorge auf Basis eines zeitproportionalen Expected Loss-Ansatzes berücksichtigt werden. Die Methodik im Bad Book weicht hiervon ab, da bei einer Umwidmung in das Bad Book eine vollständige erfolgswirksame Erfassung des erwarteten Verlusts vorzunehmen ist. Die Umsetzung der neuen Anforderungen erfordert eine Schnittstelle zum Risikomanagement und Regulatory Reporting. Darüber hinaus werden sich die Bestands- und Werteführung, der Ausweis und die Offenlegung nachhaltig verändern, ganz zu schweigen von den Implikationen für eine integrierte Banksteuerung.

 

In Phase 3 „Hedge Accounting“ sind ebenfalls Änderungen zu erwarten. Diese beziehen sich insbesondere auf die Buchungslogik sowie die Anforderungen an den Effektivitätstest.

 

Durch die neuen Anforderungen ergeben sich letztlich nicht nur für Banken und Finanzdienstleitungsinstitute, sondern auch für andere kapitalmarktorientierte Unternehmen Herausforderungen, die neuen Regelungen zu analysieren und daraus institutsspezifische Umsetzungserfordernisse abzuleiten.

Unsere Leistungen im Rahmen von IFRS 9 umfassen:

 

  • Auswirkungsanalyse hinsichtlich der Kategorisierung: Mapping der IAS 39-Kategorien auf die IFRS 9-Kategorien u.a. unter Berücksichtigung strategischer Zielsetzungen des Instituts mit Hilfe der IFRS 9-Kategorisierungsmatrix
  • Fachliche Analyse und Identifikation von Umsetzungserfordernissen für Prozesse und Systeme in Bezug auf die neuen Anforderungen zur Bilanzierung und Bewertung von Finanzinstrumenten (Checklisten für die neuen Anforderungen hinsichtlich der Kategorisierung von Finanzinstrumenten)
  • Unterstützung in der fachlichen Argumentation für die Abstimmung mit dem Wirtschaftsprüfer
  • Quantifizierung der Erstanwendungseffekte
  • Unterstützung bei der Entscheidungsfindung im Hinblick auf mögliche Umsetzungsszenarien während der Parallelphase von IAS 39 und IFRS 9
  • Darstellung der fachlichen und technischen Auswirkungen der neuen Anforderungen im Zusammenhang mit Impairment und Hedge Accounting
  • Simulationsrechnungen für die neuen Impairment-Anforderungen

 

Ansprechpartner

Fachberatung

Michael Herrmann

E-Mail

Tel +49 221 92 18 41-273